05 · Teilchen in elektrischen Feldern
Physik Q1 · Thema 05

Teilchen in elektrischen Feldern

Wie erhält man freie Elektronen?

Um Elektronen im elektrischen Feld untersuchen zu können, muss man zunächst freie Elektronen erzeugen, also Elektronen, die nicht an einen Leiter gebunden sind.

Glühelektrischer Effekt Aus der erhitzten Oberfläche eines Metalls treten im Vakuum Elektronen aus.

Der sogenannte glühelektrische Effekt wurde im Jahre 1883 von Thomas Alva Edison entdeckt:

Durch die Erhitzung erhalten locker sitzende Elektronen an der Oberfläche genügend kinetische Energie, um das Metall zu verlassen.

Durch die Heizung (Heizspannung UHU_H) lösen sich die Elektronen aus der Metalloberfläche der Glühkathode und werden durch die angelegte Spannung zwischen Glühkathode und Anode zur Anode hin beschleunigt.

Die Elektronen sind unsichtbar, aber durch den Stromfluss nachweisbar.

Wird eine elektrische Spannung dafür verwendet, ein geladenes Teilchen zu beschleunigen, wird die Spannung als Beschleunigungsspannung UB bezeichnet.
 

Durchläuft ein Elektron eine Beschleunigungsspannung UB, wird die elektrische Energie  vollständig in kinetische Energie umgewandelt.

Mit dem Ansatz der Energieerhaltung lässt sich eine Formel für die Geschwindigkeit von Elektronen herleiten, die in einem elektrischen Feld beschleunigt wurden:

Es gilt:  Ekin=EelE_{kin}=E_{el}

und damit  12mv2=UBQ\frac {1}{2}mv^{2}=U_{B}\cdot Q

Stellt man diese Gleichung nach vv  um, erhält man:  v=2UBemev=\sqrt {\dfrac {2 U_{B}\cdot e}{m_{e}}}

Darin ist mem_{e}die Masse eines Elektrons. Ist diese bekannt, lässt sich so die Geschwindigkeit der im elektrischen Feld beschleunigten Elektronen berechnen.

Aufbau und Funktionsweise einer Elektronenkanone

Rufe die Seite   https://virtuelle-experimente.de/   auf

1. Aufbau der Elektronenkanone:  

           

2. Funktionsweise:

Informiere dich auf oben genannter Internetseite über die Bedeutung der einzelnen Bauteile einer Elektronenkanone, die Hauptbestandteil aller Elektronenstrahlröhren (bzw. Kathodenstrahlröhren) ist.

Analysiere die Funktionsweise der Elektronenkanone mithilfe der Beschreibung und der Simulation.

Fertige übersichtliche Aufzeichnungen zur Bedeutung der Bauteile und der Funktionsweise der Elektronenkanone an. Gehe dabei von folgendem Lückentext aus.

3. Mathematisch-physikalische Beschreibung der Beschleunigungsphase (klassisch, nichtrelativistisch):

Analysiere, in welchem Bereich der Röhre die durch den glühelektrischen Effekt aus der Kathode herausgelösten Elektronen beschleunigt werden.

Leite die Gleichung zur Berechnung der Endgeschwindigkeit der Elektronen her. (siehe Kapitel Beschleunigung)

Beachte dabei, dass das Formelzeichen E hier für die elektrische Feldstärke und das Formelzeichen W für die Energie bzw. für die Arbeit stehen. Vollziehe jeden Schritt der Herleitung genau nach.

Fertige eine eigene, kommentierte Herleitung so an, dass du sie auch später wieder nachvollziehen kannst. 

4. Mathematisch-physikalische Beschreibung der Flugphase ohne weiteren Einfluss eines äußeren Feldes: 

Beschreibe die weitere Flugbahn, die sich an die Beschleunigungsphase anschließt und begründe diese.

 

Bewegung von Elektronen in einem senkrecht zur Bewegungsrichtung stehenden E-Feld

Um die Bewegung von Elektronen in einem senkrecht zu ihrer Bewegungsrichtung stehenden elektrischen Feld zu untersuchen, nutzt du eine sog. Elektronenablenkröhre. In der Elektronenablenkröhre erzeugt zunächst eine Elektronenkanone einen feinen Elektronenstrahl. Dieser tritt dann in das senkrecht zur Bewegungsrichtung der Elektronen stehende E-Feld eines Plattenkondensators ein. Dort werden die Elektronen dann abgelenkt. Mithilfe eines Leuchtschirms wird dabei die Bahn der Elektronen im E-Feld des Plattenkondensators für das Auge sichtbar gemacht.

Ist die untere Platte positiv geladen, wird der Elektronenstrahl nach unten abgelenkt. Die Bahn des Elektronenstrahls erinnert an die Wurfparabel bei einem horizontalen Wurf.

Analogie zum waagerechten Wurf:

Beim waagerechten Wurf kommt es zur Überlagerung von zwei Teilbewegungen:

In x-Richtunggleichförmige Bewegung  (vx bleibt konstant)

In y-Richtunggleichmäßig beschleunigte Bewegung  (vy wird größer)

Die Bewegungsgleichungen lauten

für den Weg in x-Richtung:    x=vxtx=v_{x}t

für den Weg in y-Richtung:    y=12gt2y=\frac {1}{2}gt^{2}

tt  bzw. t2t^2lässt sich mit der oberen Gleichung ersetzen:  t2=x2vx2t^{2}=\dfrac {x^{2}}{v_{x}^{2}}

Damit ergibt sich die Bahngleichung für den horizontalen Wurf:  y=12gx2vx2y=\dfrac {1}{2}g\dfrac {x^{2}}{v_{x}^{2}}

Erklärung der Elektronenbahn

Auch in diesem Versuch kommt es zu einer Überlagerung zweier Teilbewegungen:

  1. Nach Durchlaufen der Beschleunigungsspannung bewegen sich die Elektronen gleichförmig in x-Richtung.
  2. Aufgrund der konstanten Kraft im horizontalen elektrischen Feld erfolgt in y-Richtung eine gleichmäßige Beschleunigung.

Die Ablenkung in y-Richtung ist abhängig von der Spannung an den Kondensatorplatten.

 

Die Bahngleichung für die Ablenkung von Elektronen im elektrischen Querfeld lautet:  y=UA4dUBx2y=\dfrac {U_{A}}{4dU_{B}}\cdot x^{2}.

Leite diese Formel her!

Falls es dir nicht gelingt, orientiere dich auf hier

Gesamtablenkung bis zum Schirm

In einer Braun’schen Röhre werden die Elektronen in einem Kondensator abgelenkt und gelangen dann auf einen weiter entfernten Schirm.

In einer Animation kann man die gesamte Bewegung verfolgen: Animation

Wir wollen nun die Gesamtablenkung ygesy_{ges}bis zum Schirm berechnen.

Nach den Verlassen  des Kondensators der Länge ll haben die Elektronen eine konstante resultierende Geschwindigkeit aus vxv_{x}

und vyv_{y}. Sie treffen auf einen Beobachtungsschirm im Abstand .

Die Gesamtablenkung ygesy_{ges} setzt sich zusammen aus der Ablenkung innerhalb des Kondensators  y1y_1

und der Ablenkung hinter dem Kondensator y2y_2.

Es gilt also: yges=y1+y2y_{ges}=y_{1}+y_{2}

Die Ablenkung y1y_1 innerhalb des Kondensators lässt sich mit Hilfe der bereits hergeleiteten Bahngleichung (s.o.) berechnen, indem man für xx die Kondensatorlänge ll einsetzt. 

Man erhält so:   y1=UA4dUBl2y_{1}=\dfrac {U_{A}}{4dU_{B}}\cdot l^{2}

Berechnung der Ablenkung zwischen Kondensator und Schirm

Um die Ablenkung y2y_2 herzuleiten, gibt es verschiedene Wege.

Der einfachste und eleganteste Weg ist, zunächst die Steigung der Tangente an der Parabel am Punkt x=lx=l(also am Ende des Kondensators) zu bestimmen. Da hinter dem Kondensator keine weitere Ablenkung erfolgt, bleibt diese Steigung (also die Richtung des Elektronenstrahls) bis zum Schirm konstant.

Die Steigung der Tangente erhält man mit der Ableitung  y1(x)y_{1}'(x) bzw.  y1(l)=UAl2dUBy_{1}'(l)=\dfrac {U_{A}\cdot l}{2d\cdot U_{B}}.

Für die Ablenkung y2y_2 gilt dann:   y2=mxy_{2}=mx, wobei mm die Steigung, also y1(l)y_{1}'(l)   (s.o.), ist und für xx die Strecke sseingesetzt wird.

Damit erhält man: y2=UAls2dUBy_{2}=\dfrac {U_{A}\cdot l\cdot s}{2d\cdot U_{B}}  und    yges=y1+y2=UAl24dUB+UAls2dUBy_{ges}=y_{1}+y_{2}=\dfrac {U_{A}\cdot l^{2}}{4d\cdot U_{B}}+\dfrac {U_{A}\cdot l\cdot s}{2d\cdot U_{B}}

Durch Ausklammern erhält man  yges=UAl4dUB(l+2s)y_{ges}=\dfrac {U_{A}\cdot l}{4d\cdot U_{B}}\cdot \left(l+2 \cdot s\right)

 

       

Ergebnis:

Die Gesamtablenkung der Elektronen in einer Braunschen Röhre beträgt  yges=UAl(l+2s)4dUBy_{ges}=\dfrac {U_{A}\cdot l(l+2s)}{4d\cdot U_{B}}

mit  ll= Länge des Kondensators,     und ss  = Abstand zwischen Kondensator und Schirm

       

Den Ablenkwinkel kann man aus den Geschwindigkeitskomponenten bestimmen tan α=vyvxtan~ \alpha = \frac{v_y}{v_x}.

Die Bestimmung der Elementarladung - Der Millikanversuch

In der Mitte des 19. Jahrhunderts fand MICHAEL FARADAY (1791–1867) heraus, dass bei der Elektrolyse zur Abscheidung einer bestimmten Anzahl von Atomen gegebener Wertigkeit immer die gleiche Ladung erforderlich ist. Auf dieser Grundlage versuchte der britische Physiker G. J. STONEY (1826–1911) eine erste Abschätzung der Elementarladung, konnte aber nur einen statistischen Mittelwert angeben.

Mit einem völlig anderen Verfahren gelang es dem amerikanischen Physiker ROBERT ANDREWS MILLIKAN (1868–1953) in den Jahren 1909 bis 1913 erstmals, die Elementarladung e relativ genau zu bestimmen. Er nutzte dazu die Tröpfchenmethode, der Versuch wird heute als MILLIKAN-Versuch (oder auch Öltröpfchenversuch) bzw. MILLIKAN-EXPERIMENT bezeichnet. MILLIKAN erhielt für die Präzisionsmessung der Elementarladung 1923 den Nobelpreis für Physik.

 

Zuvor war gar nicht klar, ob es überhaupt so etwas wie eine kleinste Ladung gibt.

Mit dem im folgenden beschriebenen Experiment konnte Robert Millikan nachweisen, dass es eine kleinste Ladung – die sog. Elementarladung – gibt, und er konnte diese als erster relativ genau bestimmen.

Grundgedanke und Versuchsaufbau zum Millikan-Versuch
 

Wenn man Öl zerstäubt, erhält man winzige Tröpfchen, die durch den Vorgang des plötzlichen Teilens elektrisch geladen werden (positiv oder negativ).

Ein Öltröpfchen fällt unter dem Einfluss der Schwerkraft nach unten, wird aber durch die Reibung in der Luft abgebremst, so dass die Fallgeschwindigkeit klein bleibt – genauso, wie sehr feine Regentropfen nur sehr langsam nach unten fallen.

Die Reibungskraft ist von der Geschwindigkeit abhängig. Je größer die Fallgeschwindigkeit wird, umso größer ist die Reibungskraft. Ist die Reibungskraft so groß wie die Gewichtskraft, heben sich beide Kräfte auf, und das Tröpfchen wird nicht weiter beschleunigt, sondern bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit weiter.

Öltröpfchen beim Fallen in Luft (ohne elektrisches Feld):

Nach einer sehr kurzen Beschleunigungsphase führt das Öltröpfchen eine gleichförmige Bewegung aus (v0 = konst.), da sich die Gewichtskraft FG und die Reibungskraft FR aufheben.

Es herrscht dann ein Kräftegleichgewicht:

|FG| = |FR|

(Die Reibungskraft in Luft hängt von der Geschwindigkeit ab – je größer v, desto größer FR).

Die Reibungskraft FR für einen kugelförmigen Körper in einem Medium der Zähigkeit (dynamische Viskosität) η (Eta) beträgt:

FR=6πηrvF_ {R}=6\, \pi\, \eta\, r\, v         (Dabei ist rr der Radius des kugelförmigen Körpers)

Die Reibungskraft steigt also proportional zur Geschwindigkeit.

Dieser Zusammenhang wird als Stokessches Gesetz bezeichnet.

Für Luft gilt:  η=1,82105kgms\eta=1,82\cdot 10^{-5}\frac {kg}{ms}

Wie bei Regentropfen gilt:  Je schwerer der Tropfen ist (je größer die Gewichtskraft FG), umso größer ist die Fallgeschwindigkeit v und damit auch die Reibungskraft FR.